Etappe 19: Vom Isthmus von Korinth zum Hafen von Piräus

Reisebericht & Streckenbeschreibung

Wenn der Tag mit einem kräftigen Regenguss um Punkt 7 Uhr morgens beginnt, erübrigt sich jeder Wecker – man ist schlagartig hellwach! Der Regen zog jedoch weiter und machte Platz für einen eindrucksvollen Entdeckertag am weltberühmten Kanal von Korinth.

Die Route führte entlang des geschichtsträchtigen Isthmus von Korinth*). Insgesamt wurden drei verschiedene Brücken angesteuert, die jeweils einen völlig eigenen und spektakulären Blick auf dieses architektonische Meisterwerk bieten:

  1. Südöstliche Senkbrücke (Isthmia): Ein faszinierendes Erlebnis direkt auf Meereshöhe am Ausgang zum Saronischen Golf.
  2. Zentrale Straßenbrücke (Nationalstraße / Old Highway): Von hier aus schaut man direkt in die tiefe, schmale Schlucht – die steilen Felswände fallen atemberaubend senkrecht ab.
  3. Nordwestliche Senkbrücke (Posidonia): Am Übergang zum Golf von Korinth lässt sich das Absenken der Brückenkonstruktion aus nächster Nähe beobachten.

*)Der Isthmus von Korinth ist eine etwa 6 km breite schmale Landenge in Griechenland, die das griechische Festland mit der Halbinsel Peloponnes verbindet.

Der antike Hafen von Kenchreai (Αρχαίο Λιμάνι Κεγχρεών)
  • Historische Bedeutung: Kenchreai war Korinths antiker Osthafen am Saronischen Golf für den Handel mit der Ägäis, Asien und Ägypten. Auch der Apostel Paulus brach von hier nach Ephesus auf (Apg 18,18).
  • Versunkene Ruinen: Wegen Erdbeben und Absenkung der Küste liegen antike Pieranlagen, Lagerhäuser und Tempelreste heute teils flach im Wasser – ideal zum Erkunden vom Ufer oder beim Schnorcheln.

Nach der ausgiebigen Besichtigung des Kanals und des Hafens von Kenchreai ging es auf direktem Kurs in Richtung der griechischen Hauptstadt. Ziel des Tages war das Gate E3 im Hafen von Piräus. Hier schloss sich der Kreis der Balkan-Festlandroute: Das Wohnmobil rollte auf die Nachtfähre, die uns entspannt über das Ägäische Meer nach Kreta bringt.

Recherchen & Wissenswertes rund um den Kanal

Der Kanal von Korinth – Allgemein
  • Geschichte: Schon in der Antike träumte man von einer Abkürzung durch die Landenge von Korinth. Tyrann Periander baute um 600 v. Chr. zunächst den Diolkos (einen gepflasterten Schiffskarrenweg). Kaiser Nero setzte 67 n. Chr. persönlich mit einer vergoldeten Schaufel zum ersten Spatenstich an. Verwirklicht wurde der Durchstich schließlich zwischen 1881 und 1893 unter der Leitung der ungarischen Ingenieure István Türr und Béla Gerster.
  • Dimensionen: Der Kanal ist ca. 6.346 Meter lang und liegt exakt auf Meereshöhe (schleusenlos). An der Wasseroberfläche beträgt die Breite rund 24,6 Meter, am Grund ca. 21 Meter. Die schier endlos wirkenden Steilwände ragen an der höchsten Stelle knapp 80 Meter empor.
  • Bedeutung: Durch die Passage verkürzt sich der Seeweg um die Halbinsel Peloponnes um rund 400 Kilometer. Wegen der geringen Breite ist der Kanal heute hauptsächlich für kleinere Frachter, Yachten und Ausflugsschiffe nutzbar.
Die versenkbaren Brücken (Submersible Bridges)

An den beiden Enden des Kanals – in Posidonia (Nordwesten) und Isthmia (Südosten) – befinden sich zwei ingenieurtechnische Besonderheiten: versenkbare Brücken (Submersible Bridges).

  • Funktionsweise: Im Gegensatz zu Zug- oder Klappbrücken, die nach oben öffnen, werden diese Brücken bei einer anstehenden Schiffspassage mithilfe von Elektromotoren und Kettenantrieben bis auf den Kanalgrund (ca. 8 Meter Tiefe) abgesenkt.
  • Vorteile: Durch das Beseitigen der Brücke unter Wasser gibt es nach oben hin keinerlei Durchfahrtshöhenbeschränkung für Mast- und Aufbauten von Schiffen. Zudem fügen sie sich optisch schlicht in die Landschaft ein. Für Beobachter ist das Herablassen und Auftauchen der Fahrbahn im türkisfarbenen Wasser ein spektakuläres Fotomotiv!

1 Gedanke zu “Etappe 19: Vom Isthmus von Korinth zum Hafen von Piräus”

  1. Sehr spannend 🧐 Versenkbare Brücken – noch nie gehört.
    Wir hoffen, ihr macht nach eurer Rückkehr einen Nachmittag / Abend, an dem ihr eure Route, Erlebnisse und Bekanntschaften erzählt 🤗

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