Etappe 35: Von der Bio-Farm über die Ochsenbauchbucht bis nach Kyparissia

Der Tag begann auf dem Hof der Bio-Farm. Die Übernachtung dort war grundsätzlich kostenlos, im Gegenzug wird natürlich erwartet, dass man sich im Hofladen mit regionalen Spezialitäten eindeckt. Grundsätzlich ein schönes Konzept – wenn da nicht das Platzproblem im Jupee wäre! Da der Camper ohnehin bereits bis oben hin vollgepackt ist, waren die angebotenen Verkaufs-Mengen schlichtweg nicht unterzubringen. Wir konnten uns aber erfreulicherweise mit den Besitzern auf eine faire Spende für den Hof und die Kinder einigen, womit alle Beteiligten glücklich waren.

Erstes Ziel der Tagesetappe war die berühmte Ochsenbauchbucht (Voidokilia-Strand). Die kreisrunde, fast perfekt geformte Bucht in Gestalt des griechischen Buchstabens Omega Ω verdankt ihren Namen der geschützten Kesselform. Dass sie von oben wie ein perfekter Ochsenbauch aussieht, erahnt man unten am Strand zwar nur, aber das türkisblaue, ruhige Wasser lud dennoch zu einem herrlichen Erfrischungsbad ein.

Weiter ging es mit einer kleinen Verwechslung: Auf der Karte war Navarino Dunes markiert. Wir hatten fest mit weitläufigen, naturbelassenen Sanddünen gerechnet, die man durchwandern kann. Vor Ort stellten wir jedoch lachend fest, dass es sich dabei um das weitläufige Luxus- und Golfresort Costa Navarino handelt 😂.

Danach steuerten wir Filiatra an. Mitten in dieser peloponnesischen Kleinstadt ragt plötzlich ein 26 Meter hoher Eifelturm empor! Die Miniatur-Nachbildung des Pariser Originals geht auf den Arzt und Bildhauer Charalambos Fournarakis (auch bekannt als Harry Fournier) zurück, der das Bauwerk 1960 seiner Heimatstadt schenkte.

Nur wenige Kilometer weiter in Agrilos hielten wir beim nächsten bizarren Kunstwerk von Fournarakis: dem Fairy Tale Building (Märchenschloss / Kastro ton Paramythion). Dieses Bauwerk vereint mittelalterliche Turmelemente mit gigantischen Skulpturen – darunter eine riesige Pferdestatue. Laut der Gedenktafel baute er es, um an die märchenhaften Geschichten der Großmütter zu erinnern.

Bei der Wahl unseres Schlafplatzes am Tagesziel standen wir vor der klassischen Camper-Frage: Freistehen direkt am Strand (park4night ID 11749) oder doch lieber die Infrastruktur eines gepflegten Campingplatzes (park4night ID 482) nutzen? Die Entscheidung fiel schlussendlich auf den Campingplatz – frei nach dem bewährten Motto: Happy wife, happy life! 😉

Hintergrund-Recherchen zu den Etappen-Highlights

1. Navarino Dunes & Costa Navarino

  • Hintergrund: Bei Navarino Dunes handelt es sich nicht um ein offenes Naturschutzgebiet mit freien Sanddünen, sondern um den ersten Teilbereich des edlen Resort-Complexes Costa Navarino. Das Megaprojekt wurde von dem griechischen Reeder Vassilis Constantakopoulos initiiert, um nachhaltigen Luxustourismus in die Region Messenien zu bringen.

2. Der Eifelturm von Filiatra

  • Hintergrund: Der 26 Meter hohe Eifelturm am Ortseingang von Filiatra wurde 1960 von Dr. Charalambos Fournarakis erbaut. Fournarakis war ein in Filiatra geborener Arzt und Künstler, der viele Jahre im Ausland lebte. Nach Reparaturen durch die Gemeinde im Jahr 2007 gilt der Turm als stolzes Wahrzeichen des Ortes.

3. The Castle of Fairytales (Märchenschloss von Agrilos)

  • Hintergrund: Ebenfalls von Dr. Fournarakis geschaffen, steht das fantasievolle „Märchenschloss“ direkt an der Küste von Agrilos. Neben dem bunten Schloss selbst steht ein riesiges Bauwerk in Form eines Trojanischen Pferdes, das ursprünglich als Bibliothek gedacht war.

4. Recherche: Warum kleben Motorradfahrer Aufkleber (Pickerl) auf Verkehrszeichen?

  • Die Sticker-Kultur: Das Bekleben von Schilderrückseiten, Passhöhen-Tafeln und Pfosten ist in der Biker- und Overlander-Szene eine weltweite Tradition.
  • Persönlicher Fingerabdruck („Tagging“): Ähnlich wie Graffiti dient der Sticker als digitales oder physisches Signal: „Ich war hier und habe diese Strecke bezwungen.“
  • Community & Kameradschaft: Motorradclubs, Fernreisende und Biker-Gruppen hinterlassen ihr Logo oder ihr Social-Media-Kürzel, um sich untereinander zu vernetzen oder andere Reisende aus der Heimat zu grüßen.
  • Symbol der Freiheit: Verkehrszeichen stehen oft auf abgelegenen Passhöhen oder Grenzübergängen – Orte, die für Biker Meilensteine einer langen Reise darstellen.

2 Gedanken zu “Etappe 35: Von der Bio-Farm über die Ochsenbauchbucht bis nach Kyparissia”

  1. Lieber Franz!
    Bewundernswert, was du uns über eure
    Reise mitteilst. Ich finde es einfach toll.
    Ich frage mich nur, wo und wie du dir die Zeit dafür nimmst.

    1. Vielen Dank für das tolle Kompliment! 😊 Das Geheimnis ist Teamarbeit: Während Brigitte meistens die großartigen Fotos macht und mir als perfekte Sparringspartnerin beim Zusammenfassen dient, trage ich die Erlebnisse abends im Wohnmobil – manchmal früher, manchmal später 😉 – zusammen. Und es ist heutzutage wirklich ein Luxus, dass man keine schweren Lexika mehr mitschleppen muss, sondern dank des Internets die Hintergründe der gesehenen Orte ganz unkompliziert vertiefen kann. Wie schön, dass du so gerne mitliest! 🗺️✨

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