Die 30. Etappe führt quer durch das raue Herz Südkretas – von der dramatischen Kulisse der Steilküste in Agia Galini über karge Passstraßen bis hinauf in die fruchtbare Ebene der Apokoronas nach Almyrida Heights.
Route & Streckenbeschreibung
- Start in Agia Galini Der Tag begann unter ungemütlichen Vorzeichen bei heftigem Regen im küstennahen Fischerdorf Agia Galini. Der Ort ist kaskadenartig an die Hangfelsen des Mount Koupa gebaut und blickt auf den Libyschen Golf.
- Über den Pass & durch das gebirgige Hinterland (WPT 13:23:31 – 525 m) Von Agia Galini aus schraubt sich die Straße stetig nach oben in die Bergwelt des Präfekturbezirks Rethymno. Vorbei an kleinen Bergdörfern eröffnet sich auf über 500 m Höhenmeter trotz Regenwolken ein eindrucksvoller Blick über die Macchia- und Phrygana-Landschaft Südkretas.
- Flussmündung & Küstenabschnitt Finikas / Preveli (WPT 13:46:40 – 3,6 m) Gegen Mittag erreichte die Route das Meer nahe Finikas und der Mündung des Megalopotamos-Flusses.
- Preveli Palmenstrand: Der Abstecher zum weltberühmten Palmenstrand von Preveli (Moni Preveli) musste aufgrund des anhaltenden Starkregens und der aufgeweichten Pfade gestrichen werden.
- Gesperrte „Preveli Bridge“ (Gefahrstelle/Sperre): Vor Ort zeigte sich ein typisches Bild nach Unwettern in den kretischen Flusstälern: Die historische Bogenbrücke (Preveli Bridge) bei Finikas (740 60) war komplett gesperrt.
- Aufstieg über den Vrysinas-Rücken (WPT 15:04:55 – 400 m) Weiter ging die Fahrt nordwärts über die Serpentinen des Vrysinas-Gebirgszugs, wo sich der Regen langsam lichtete und Nebelschwaden über den kargen Hängen hingen.
- Ankunft in Almyrida Heights (WPT 16:28:01 – 28 m) Ziel der Etappe war die Region Apokoronas im Nordwesten. Nach einem günstigen Tankstopp für dieselbetriebene Wohnmobile (für kretische Verhältnisse hervorragende 2,07 €/Liter) endete der Tag im ruhigen Hinterland.
Besondere Erlebnisse & Highlights entlang der Strecke
- Selbstorganisierte Schafherde am Wegesrand: Auf den Bergstraßen gab es eine Begegnung der kretischen Art: Eine entgegenkommende Schafherde, die völlig ohne sichtbaren Hirten oder Schäferhund zielgerichtet den Weg entlangzog – eine perfekt aufeinander abgestimmte Gemeinschaft auf der Suche nach Futter.
- Günstiger Tankstopp: Kraftstoff auf Kreta – insbesondere in abgelegenen Gebieten – ist oft teuer. Die Diesel-Betankung um 2,07 €/Liter war ein echter Glücksgriff für die Reisekasse.
- Übernachtung: Ein privater Stellplatz in der Siedlung Almyrida Heights (organisiert von Freunden), mit traumhaftem Ausblick auf die Bucht von Souda und die Weißen Berge (Lefka Ori).















Hintergrund-Recherche: Wie überleben Schaf- & Ziegenherden in Kretas kargen Bergen?
Die Haltung von Schafen (Ovis aries) und Ziegen (Capra hircus) in den trockenen, felsigen Gebirgsregionen Kretas blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück.
1. Die Ernährungsweise: Macchia & Phrygana
Die karge Vegetation Kretas besteht primär aus zwei Pflanzengesellschaften:
- Phrygana (Garrigue): Ein niedriger, dorniger Zwergstrauchbewuchs (u. a. kretischer Thymian, Dornmystax, Salbei, Cistus). Schaf- und Ziegenrassen wie das kretische Sfakia-Schaf haben sich an diese faserreiche, ätherische Öle enthaltende Kost angepasst.
- Macchia: Immergrüne Gebüsche wie Stein-Eichen, Kermes-Eichen und Johannisbrotbäume. Ziegen nutzen ihre Fähigkeit, auf Hinterbeinen zu stehen oder im Fels zu klettern, um junge Blätter und Zweige abzufressen.
2. Das System der „Transhumanz“ (Wanderschäferei)
- Saisonale Wanderung: Im heißen Sommer ziehen die Herden hinauf in die kühleren Hochlagen der Weißen Berge (Lefka Ori) oder des Psiloritis. Im Spätherbst und Winter kehren sie in die wärmeren Küstenebenen zurück.
- Freilauf & „Self-Governance“: Viele Herden bewegen sich im Sommer halbfrei in abgezäunten Bergsektoren. Die Tiere kennen ihre Stammrouten zu Wasserstellen (Mitato-Brunnen) exakt und bewegen sich eigenständig in der Gruppe fort.
- Traditionelle Unterstände (Mitata): Hirten nutzen bis heute rundgebaute Natursteinhütten (Mitato) auf den Hochebenen zur Zuflucht und Käseherstellung (z. B. Graviera und Mizithra).
